Christoph Kuska zeigt den neuen Verbiss-Schutz aus Holz.

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Christoph Kuska bereitet sich gerade auf den Einzug ins Forsthaus Rambach vor. Nachdem sein langjähriger Vorgänger Erich Mork in den Ruhestand gegangen ist, wird das Haus am Ortsausgang von Rambach zurzeit renoviert. In einigen Wochen kommt noch ein Dackelwelpe als neuer Hausgenosse. Der neue Förster in Wiesbadens größtem Revier ist kein Neuling in der Landeshauptstadt. Kuska arbeitet schon lange und sehr gern für das Wiesbadener Forstamt. Nun ist er für 1145 Hektar Wald zwischen Goldsteintal und Breckenheim sowie Bierstadt und Kellerskopf zuständig. Es ist ein Revier mit vergleichsweise wenigen Schäden: Zwar gibt es auch hier Fichten-Kahlschläge, aber längst nicht so viele wie an anderen Wiesbadener Standorten. Hier wachsen stattdessen uralte Eichen und Buchen mit mächtigen Stämmen. Die vertragen den Klimawandel etwas besser als die Nadelbäume. Deswegen, sagt Kuska, seien auch weniger Aufforstungsmaßnahmen als anderswo gefordert. Dort, wo dennoch Kahlflächen entstanden sind, wird eine Mischung aus trockenheitsverträglicheren Laub- und Nadelbäumen gepflanzt.

Begeistert von neuen Wuchshüllen für Setzlinge

Und hier ist Christoph Kuska auf eine Neuheit gestoßen, die er jetzt mit seinen Waldarbeitern im Forst installiert: Wuchshüllen für Baumsetzlinge, die aus biologisch abbaubarem Fichtenfurnier bestehen. Nicht die hässlichen Plastikhüllen, die man sonst oft im Wald sieht und die nicht nur das Auge stören, sondern auch für schädliche Mikroplastikablagerungen in der Natur sorgen, sondern ein komplett verrottendes Naturprodukt schützt die jungen Setzlinge vor Wildverbiss. „Eine geniale Erfindung“, findet Christoph Kuska, der bereits mehrere hundert Stück angeschafft hat.

Sein Team, die drei Forstwirte Jonas Fritz, Lennart Wurzer und Jack Eisenhauer, ist an diesem regnerischen Frühlingstag damit beschäftigt, die Wuchshüllen einzurollen und über die zuvor gepflanzten Setzlinge zu stülpen. Die von einem innovativen Schreiner aus Bayern entwickelten Hüllen werden flach angeliefert, vor Ort zusammengerollt und mit einem Holz-Kabelbinder komplett plastikfrei zusammengehalten. Sie sollen nach einigen Jahren verrottet sein. „Damit entfallen auch Entsorgungsarbeiten und -kosten: Die Plastikhüllen müssen wir als Sondermüll entsorgen“, erklärt Kuska, „und das Beste: Diese Holzhüllen sind nicht mal teurer als die anderen.“ Eine prima Sache hat er da entdeckt, und die wird sich auch weiterverbreiten: Das Rambacher Revier ist das erste in Hessen, in dem das innovative Produkt verwendet wird. Und es sieht auch noch richtig gut aus! Dennoch ist Müll ein Dauerproblem im Wald. Es sei hier zwar nicht ganz so stadtnah, meint Christoph Kuska, „aber erst neulich habe ich sogar ein Klavier im Wald gefunden.“ Von Bauschutt, Autoreifen oder anderen Dingen ganz zu schweigen. Es sei nach wie vor eine häufige Aufgabe der Forstamtsmitarbeiter, den Wald und die Wanderparkplätze zu „entmüllen“.

Eine große Herausforderung sei auch die Verkehrssicherung. Dafür müsse man regelmäßig Straßen sperren und Bäume fällen, die umzustürzen drohten. Das nehme immer mehr Zeit in Anspruch. Weitere Besonderheit im Rambacher Revier: Der Waldsportpfad, „in Corona-Zeiten sicher die am häufigsten genutzte Wiesbadener Sporteinrichtung überhaupt“, berichtet Christoph Kuska. Auch diesen hält er instand, ebenso wie den Waldlehrpfad. Und es gibt hier einige naturbelassene Referenzflächen wie beispielsweise die seit Jahrzehnten sich selbst überlassene „Altholzinsel“ in der Nähe der Hockenberger Mühle. Dort dürfen Bäume stehen bleiben, bis sie von selbst umfallen. Man sieht, wie abgebrochene Stämme Spechten und anderen Höhlenbrütern gefallen. Hier wird auch die Artenvielfalt dokumentiert. Deutlich sieht man den Unterschied zum bewirtschafteten Wald: Wo Bäume herausgenommen werden, hat der Neuaufwuchs eine bessere Chance, weil er mehr Licht von oben bekommt. Das kann man gerade an dieser Altholzinsel gut direkt vergleichen, denn rechts vom Weg befindet sich bewirtschafteter Wald, links der naturbelassene. Zu den Aufgaben des Försters gehören auch Führungen für Kinder oder Erwachsene, sofern es seine Zeit zulässt. „Die Menschen schätzen ihren Wald und nehmen stark Anteil“, sagt er. Er freue sich auch, dass er regelmäßig von den Ortsbeiräten eingeladen werde. Vom Klimawandel und dessen Folgen kann er viel berichten. Man denke in Wiesbaden sogar darüber nach, manche Waldbereiche zu bewässern, sollten die nächsten Sommer wieder so trocken sein.

Quelle: Wiesbadener Kurier (von: Anja Baumgart-Pietsch)