Meine Erinnerungen an den Chorgesang in den Jahren 1926 bis 1946 in Rambach.

Das Gasthaus "Zur Römerburg" war fast 75 Jahre im Besitz meiner Familie. Meine Großeltern hatten das Lokal 1899 von Edmund Roth gekauft. Damals, so hat man mir erzählt, war im I. Stock ein Tanzsaal mit einer Empore für die Musiker. Auch der "Männergesangsverein Rambach 1875" hatte dort sein Vereinslokal und im Saal an jedem Samstagabend seine Singstunde.
Mein Großvater und die Sänger verstanden sich sehr gut. In meiner Familie hieß es nur "Unsere Sänger". 1903 machte mein Großvater einen Anbau, in dem eine Kegelbahn und darüber ein großer Raum, den wir den Vereinssaal nannten, entstanden.
Mit Trophähenschrank und Flügel zogen dort die Sänger ein. Aus dem alten Saal wurde Wohnraum. 1922 wurde ich hier geboren. Ich kam also schon ganz früh mit dem Chorgesang in Berührung.

Doch erst noch etwas Historie!

1906 gründete sich in diesem Verein, aus einer Gruppe flotter Burschen die etwas "Modernes" machen wollten, die "Privatgesellschaft Fidelio".
Das gleiche geschah 1907 bei dem Gesangverein "Lieder Kranz". Aus diesem ging die Theatergesellschaft "Lohengrin" hervor.
1910 war in der "Römerburg" ein neuer Tanzsaal fertig gebaut und die Singstunden fanden nun dort statt. Saal und Küche lagen sich nun gegenüber. Als ich einen Stuhl tragen konnte, wegen dem Boden durfte ich ihn nicht ziehen, durfte ich im Saal den Kreis für die Singstunde aufstellen. Es waren über 60 Stühle. Mein Großvater machte schon morgens, in 2 großen Kanonenöfen, Feuer.
Wenn abends gesungen wurde machte meine Mutter das Küchenfenster auf, um gemeinsam mit mir und meiner Schwester den Sängern zu zu hören. Vom "Rhein und seinen Burgen", von "Hängen voller Reben", von der "Heimat", vom "Abschied und der Sehnsucht" erzählten die Lieder und unsere Fantasie war überall dabei. Besonders beim Lied "Steuermann halt die Wacht" war ich mitten auf dem Meer. 12 Jahre später, ich fuhr im Eismeer zur See, da wusste ich, dass meine Fantasie damals nicht ausreichte.

Ab 1933, als Hitler an die Macht kam, ging es mit allen Vereinen sehr zurück. Für die "Männersänger" kam hinzu, dass auch noch ihr Dirigent "Ernst Jakobi" aus Alters- oder Gesundheitsgründen ging. Es kam zu einer ersten Krise. Mit dem neuen Dirigenten klappte es nicht. Der nächste, Herr Kirsch, packte es auch nicht (zu jung?)

Damals gab es in Rambach 3 Gesangvereine, der älteste war der:

  • Männergesangverein "Lieder Kranz 1862", dann der
  • Rambacher Männergesangverein 1875 und den
  • "Arbeiter Gesangverein",
    der als gemischter Chor 1906 im Gasthaus "Zum grünen Wald" gegründet wurde.

Der"Lieder Kranz" hatte sein Vereinslokal im Gasthaus "Zum Hirsch". Bei der Vereingründung gab es dieses Gasthaus noch nicht. Der Dirigent war Lehrer Cunz der auch den Kirchenchor leitete.
Diese drei Vereine begannen nun 1935-1936 Gespräche über eine Vereinigung. Lange Zeit sah es nicht gut aus. Es ging unter anderem um die Frauen im Verein. Die Männerchöre wollten das aus Tradition nicht. Die schwindende Mitgliederzahl führte dann doch zur "Sängervereinigung Rambach". Die Singstunden waren abwechselnd im Hirsch oder in der Römerburg.

Die drei großen Gesangvereine, die alle ihre eigene Atmosphäre hatten, gab es nicht mehr. Die Feste die von ihnen veranstaltet wurden, bei dem das ganze Dorf mitmachte und alle Straßen mit Birken und die Häuser mit Fahnen geschmückt waren, gab es nicht mehr. In unserem Haus habe ich die Bezeichnung "Unsere Sänger" nur noch gehört, wenn von der Vergangenheit gesprochen wurde.

Der neue Verein hat die vielen schönen Trophäen nie bei uns abgeholt. Als ich 1946 aus dem Krieg nach Hause kam, erzählte mir meine Schwester, dass die Amerikaner in unserem Saal kurz ein Feldlazarett eingerichtet hatten und nach und nach seinen die Pokale verschwunden. Den Schrank hat dann die Sängervereinigung abgeholt. Den Flügel hat mein Vater verkauft, er war sein Eigentum. In der "Römerburg" erinnert nichts mehr an diese schöne Zeit die so viel "Tuchfühlung" hatte.

07-2013 © Heinz Steinle