Chronik

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Die Waldschule

Rambach und seine Hügel. Den Quecken krönt die Ev.Kirche. Der Kitzelberg trägt den Friedhof. Der "Burg" genannte Walddistrikt ist die Höhe des dritten. Vor dem dortigen uralten Abschnittswall liegt der Sportplatz, der in früherer Zeit seinen Platz hinter der Kirche auf dem Quecken hatte. Nun sollten auch die Schulkinder, nachdem sie über 130 Jahre zur am Quecken gelegenen Schule gingen, hier zur Schule gehen. Der zukünftige Standort war eine gelungene Verbindung zwischen Alt und Neu, Körper und Geist. Im Süden begrenzt durch die Neue Siedlung - ein 1951 begonnenes Neubaugebiet, heutige Straße Am Sportplatz- liegen im Südwesten die Sportanlagen, während sich weiter westlich im Wald Hügelgräber aus der Hallstattzeit befinden, die von einer Besiedlung vor dreitausend Jahren künden. Das alles wird 1963 um eine Turnhalle im Osten ergänzt. Nun sollte, wo vorher mächtige, alte Buchen standen eine moderne Schule mit hellen, großzügigen Klassenräumen, Lehrküche, Werkraum, Aula, Verwaltungsräumen und Hausmeisterwohnung entstehen. Die Pläne erstellten 1955 die Architekten H.und H.Wagner. Begonnen wurde 1956, bereits ein Jahr später war der erste Bauabschnitt fertig. Mit Beginn des neuen Schuljahres im Mai 1957 konnten 130 Kinder der Unterstufe in den südlichen Flügel einziehen. Selbstverständlich hatten sie sich vorher von ihren alten Schulen verabschiedet. Das alte Volkslied "Nun ade, Du mein lieb Heimatland" singend, marschierten sie begleitet von ihren Lehrern und vielen Rambacher Bürgern den einen Hügel hinab, um den anderen freudig zu erklimmen. "In dieser Schule müssen alle Kinder mit wahrer Freude an die Arbeit gehen" ermunterte Schulrat Flicke Jungen und Mädchen zur Begrüßung. Und es war ein Unterschied ! Staunend gingen Kinder und Erwachsene durch den allseits bewunderten Neubau, Einzelstühle, Vorhänge , Verdunklung usw.... Damit nicht genug, erlebte Rambach nun sein "3-Schulen-Jahr". In der Alten, der Neuen und in der Waldschule besuchten insgesamt 239 Schüler den Unterricht. Tag für Tag pendelte das Lehrerkollegium zwischen den drei Schulen. Die Ersten, die ihre gesamte Schulzeit in der Waldschule verbringen konnten, waren die 1950/51 geborenen Jungen und Mädchen. Lediglich im Winter 1957/58, als die im Nordflügel untergebrachte Heizung angeschlossen wurde, mussten alle für einige Zeit zurück in die alten Schulen. Doch schon im nächsten Frühjahr konnte auch die Oberstufe in die Waldschule. Damit durften die Jahrgänge ab 1943  (1946) wenigsten ihre restlichen Schuljahre in schöner Umgebung verbringen.

Vogelgezwitscher vom Fenster, unverpestete Luft im Schulhof, helle Arbeitstische mit Stühlen statt Bänken sowie ab und zu Unterricht im Freien unter dem Blätterdach mächtiger Bäume. Wer wünschte sich das nicht? In diesen Genuss kamen nahezu ein Vierteljahrhundert lang auch Wiesbadener Schulkinder. Bis 1981 durften Schulklassen aus Wiesbadens Innenstadt und den mit Industrie belasteten Vororten regelmäßig die idyllisch gelegenen Waldschule für eine Woche besuchen. Selbst zum Samstagunterricht, den es damals noch gab, kamen die Kinder mit Freude. Der notwendige, tägliche Bustransport wurde ebenso aus städtischen Mitteln bezahlt, wie das in der Lehrküche für alle zubereitete einfache Mittagessen. All dies fiel später Einsparungen zum Opfer, obwohl sich Schulamtsleiter Schwenk seinerzeit sehr stark für die Weiterführung des Waldschulunterrichts einsetzte.