Eine Straße im Wiesbadener Stadtteil
Rambach
Die "Neu Siedlung" ist eine Sackgasse, die von
Nord noch Süd unterhalb des Rambacher Sportplatzes entlangführt.
Ihr offizieller Straßenname ist "Am Sportplatz". An ihrem Nordende
und lediglich getrennt durch die Trompeterstraße steht die 1957 eingeweihte
Waldschule (heutige
Adolf-Reichwein-Schute),
sowie die später erbaute Turnhalle, Von dort sind es nur noch 50 Meter
zur "Ald
Siedlung", der heutigen Wellbornstraße. Zusammen mit Teilen der
Trompeterstraße bilden sie eine nahezu eigenständige Enklave.
Hier wuchs ich auf. Wir Kinder verirrten uns selten ins tiefer gelegene Dorf,
denn alles war fußläufig erreichbar. Nur die
Bäckerei
war unten im Dorf. Auch wenn dies alles heute Geschichte ist, bleibt
eine gewisse Abgeschiedenheit, ein Anderssein. Fast wirkt es, als seien das
alte Ober- und Unter Rambach wieder auferstanden.
Vom Plan zum Baubeginn:
Bevor 1951 mit dem ersten Spatenstich die eigentliche Bauphase beginnen konnte,
hatten die Siedler bereits mehrere Jahre mit
Planung und
Vorbereitungen verbracht. Seit 1947/48 war allgemein bekannt, dass unterhalb
des Sportplatzes gebaut werden würde, berichtet Liesel Ullmann. Sie,
die damals erst zur Konfirmation ging, erzählte: " Ich dachte nicht
im Traum daran, an diesem
schönen
Fleckchen Erde einmal im eigenen Heim wohnen zu können". Unter der
Federführung von Erwin Christ, den Cipriani Brüdern und Architekt
Paul Kilian gab es zahlreiche Versammlungen, Bauwillige kamen und gingen.
Nachdem mit meinen Eltern dann genügend Bauherren für die sechs
Doppelhäuser des ersten Bauabschnitts gefunden waren, gründete
sich am 20.4.1949 die Gemeinnützige Baugenossenschaft Rambach eGmbH.
Vorerst war sie alleiniger Bauherr, Ansprech- und Vertragspartner für
das gesamte Vorhaben. Über sie liefen Bauanträge,
Erbpachtverträge, Steuern und Abgaben, bis alle Häuser fertiggestellt
waren. Noch im Gründungsjahr sollte das Baugelände vermessen und
gerodet werden. Zum Leidwesen der Siedler dauerte dies aber bis zum Herbst
1950, denn es stellte sich heraus, dass das Versprechen der Stadt Wiesbaden,
Bauland in Erbpacht zur Verfügung zu stellen, etwas zu vollmundig gewesen
war. Das fragliche Gebiet war noch als Wald ausgewiesen und musste umgewidmet
werden. Das zuständige Forstamt wiederum hatte dem Rambacher Förster
von Bellersheim einen Bereich zur Samenzucht überlassen. Nach seinem
Ausscheiden 1945 vergaß das Forstamt, den Vertrag zu kündigen.
Von Bellersheim verlangte daher 600 DM Entschädigung. Um die Sache zu
beschleunigen, zahlten die Siedler zähneknirschend diese Gelder aus
eigener Tasche. Durch diese Verzögerung waren sogar bereits zugesagte
Kredite zurückgezogen worden. Neues Unbill kam auf, als plötzlich
entdeckt wurde, dass auf dem Gelände sieben schützenswerte
Weymouthskiefern
standen, deren Erhalt die Naturschutzbehörde forderte. Es ist nicht
genau überliefert, was dann geschah, aber die Siedler scheinen in ihrem
gerechten Zorn mächtig Dampf abgelassen zu haben, letztendlich fielen
die Kiefern. |